Die AfD-Fraktion Ilmenau hat zur Stadtratssitzung am 26.03.2026 wiederholt den Antrag eingebracht, die Stadt Ilmenau möge aus der Initiative „Weltoffenes Thüringen“ austreten. Der Antrag wurde mit breiter Mehrheit mit Zustimmung lediglich aus den Reihen der AfD-Fraktion abgelehnt. Lesen sie hier die Rede unseres Fraktionsvorsitzenden Julian Wüster:
Herr Schwieger, haben Sie Ihre Fraktion eigentlich gewarnt? Sie waren ja der einzige Vertreter der AfD-Fraktion im Hauptausschuss. Warum eigentlich? Sie wollten unbedingt zwei Sitze im Hauptausschuss, haben sich kapriziert bis zum geht nicht mehr, weil sie sich in den anderen Ausschüssen übervorteilt fühlen, schaffen es aber als zweitgrößte Fraktion nicht, zwei von neun Leuten überhaupt zu finden für den Hauptausschuss? Das war auch nicht das erste Mal. Schwach.
Nun, ich hatte mich, als Sie genau diesen Antrag vor einem Jahr schon mal einbrachten, und täglich grüßt das Murmeltier, zu einer deutlichen Reaktion genötigt gesehen und das, wenn Sie den Antrag aufrechterhalten, auch für heute angekündigt. Also bitte sehr, wenn es sein muss, dann wieder von mir:
Ihr Antrag strotzt nur so von herbeiphantasierten Zusammenhängen und mindestens, aber wirklich mindestens irreführenden Behauptungen, angefangen beim Titel.
Ich formuliere mal, was da ehrlicherweise als Titel drüber stehen müsste:
„Dem Ansehen der Stadt Ilmenau irreparablen Schaden zufügen – Nebenher das Grab der Technischen Universität Ilmenau schaufeln“
Haben Sie dem Präsidenten der TU im Stadtrat nicht zugehört? Die Universität ist angewiesen auf Weltoffenheit, ohne diese funktioniert eine Universität nicht und Sie wissen, wie duster es bei uns aussähe ohne die TU. Die Stadt Ilmenau ist angewiesen auf Weltoffenheit, haben Sie nicht die Entwicklung der Geburtenzahlen verfolgt? Alle Menschen sind angewiesen auf mitmenschlichen Anstand, der sich auch in der Charta der Initiative Weltoffenes Thüringen ausdrückt. Haben Sie diese überhaupt jemals gelesen? Wer sich anständig verhält, verfasst keine solchen Texte wie Sie in Ihrer Antragsbegründung, wer sich wahrhaftig als Christ versteht, nun ist Herr Dietrich heute nicht da, ich weiß nicht, wer aus Ihrer Fraktion sich sonst noch als Christ versteht, Herr Schwieger, nehme ich an, ein Christ kann so etwas nicht formulieren, nur ein Beispiel, übrigens im Sinne ordentlicher Quellen-Arbeit, das ist die Gute-Nachricht-Übersetzung von 1997, denn davon können wir derzeit ein paar gebrauchen:
Levitikus 19, 33-34:
„Unterdrückt nicht die Fremden, die bei euch im Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen. Jeder von euch soll seine fremden Mitbürger lieben wie sich selbst (…)“
Herr Schwieger fühlte sich damit im Hauptausschuss auch sichtlich unwohl. Und hat doch dafür gestimmt. Soviel zu „wir haben keinen Fraktionszwang und sind alle frei“, leere, bedeutungslose Worte.
Also, im Hauptausschuss klar abgelehnt, denn der Rest des Stadtrats und auch die Bevölkerung weiß: Ein Rückzug aus der Initiative Weltoffenes Thüringen, so wie Sie es fordern, schadet der Mitmenschlichkeit, dem Anstand, der Wirtschaft, unserem Ansehen, uns allen! Die AfD Fraktion Ilmenau sucht mit diesem Antrag wiederholt der Stadt Schlechtes!
Charta der Initiative „Weltoffenes Thüringen“
In Sorge um die Demokratie in unserem Land engagieren sich in Weltoffenes Thüringen Organisationen und Menschen aus dem gesamten Freistaat:
- Wir treten ein für ein weltoffenes und vielfältiges Thüringen.
- Wir stehen ein für die Achtung der Menschenwürde und der unteilbaren Menschenrechte – dies auch mit Blick auf die historische Verantwortung Deutschlands, insbesondere für die Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus.
- Wir setzen uns ein für plurale Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – auch als Lehre aus den Erfahrungen zweier unterschiedlicher Diktaturen in Deutschland.
- Wir möchten ein Land, in dem Menschen in ihrer Verschiedenheit akzeptiert und willkommen sind.
- Wir wünschen uns einen friedlichen und respektvollen Umgang miteinander. Vorurteile, Ausgrenzung und Hass haben in einem weltoffenen und vielfältigen Thüringen keinen Platz.
- Wir treten ein für die Idee der Europäischen Einigung. Sie steht für Frieden, Solidarität und Wohlstand. Davon profitiert Thüringen in besonderem Maße.